Die Edelfedern des Erzgebirges

In einer Reihe mit Anton Günther, dem populären Volksdichter und Heimatsänger des Erzgebirges, stehen der in Zwickau geborene Schriftsteller Kurt Arnold Findeisen sowie der ebenfalls in Zwickau verwurzelte Mundartdichter und -sänger Hans Soph. Zu Findeisens bekanntesten Werken zählen biografische Romane (u.a. über Robert Schumann, Johannes Brahms und den Wildschützen Karl Stülpner) und „Das Goldene Weihnachtsbuch“, welches die Fülle von Geschichten und Legenden aus dem Weihnachtsland Erzgebirge abbildet. Soph schuf unzählige „Haamit“-Lieder wie „Schlof ei, mei Kinnel“, „Der Tannezappen“ oder „Weil ich e Arzgebirger bi“.

Hans Soph (1869-1954) stammt aus dem nordböhmischen Horní Blatná. Vom Grenzübergang Johanngeorgenstadt/Potůčky benötigt man mit dem Auto rund zehn Minuten bis in die Bergstadt Platten, wie Sophs Geburtsort auf Deutsch heißt. Von der Straße Richtung Bludná bietet sich ein herrlicher Blick auf den 450-Einwohner-Ort, durch den der grenzüberschreitende Anton-Günther-Wanderweg verläuft, und Böhmens Wälder. Bahnfahrer aus Zwickau steigen in Johanngeorgenstadt in den Zug nach Karlsbad um, der direkt in Horní Blatná hält.

Im örtlichen Museum (Bezručova 127) gibt es seit 15 Jahren eine Ecke zur Erinnerung an Hans Soph, der in seinem Heimatort – nach dem Namen des Stiefgroßvaters – „Schubert-Hans vun d´r Platt“ genannt worden ist. Der Erzgebirgszweigverein (EZV) Zwickau übergab Kopien von Urkunden, Dokumenten, Noten und Handschriften sowie die Soph-Biografie von Fred Heydel dem Plattner Museum. „Am 10. November 2001 wurde die Galerie, eine Erweiterung des Museums, unter großer Anteilnahme, auch von Repräsentanten aus Karlsbad, der Öffentlichkeit übergeben. Daran nahm auch eine kleine Delegation der Erzgebirgszweigvereine Zwickau und Bermsgrün teil“, erinnert sich Zwickaus ehemaliger EZV-Vorsitzender Wolfgang Stiehler. Das Geburtshaus stand Stiehler zufolge in unmittelbarer Nähe des Museums und musste einer Kläranlage weichen.

Auf der Anton-Günther-Höhe bei Johanngeorgenstadt erinnerte eine Gedenkstätte an den Namensgeber und seinen Dichterkollegen Soph. Laut Wikipedia wurde der Gipfel einer ehemaligen Bergbauhalde 1995 mit Gedenkplatten, einer Schutzhütte und Ruhebänken gestaltet. Auf der Soph-Tafel waren die Zeilen „A fröhlichs Lied un a aufrichts Wort, die ziern ne Menschen un halfn ne fort!“ eingraviert. Später sei der Anlaufpunkt für Wanderer durch Vandalismus vollständig zerstört worden.

Von 1902 bis zu seinem Tode lebte Hans Soph in Zwickau. Er wohnte über 50 Jahre im Haus Poetenweg 32. An der Klinkerfassade ist eine mit Tannenzweig, Tannenzapfen und Gitarre verzierte Gedenktafel angebracht. Soph musizierte häufig im Lokal „Schumanns Schankwirtschaft“. Dem Schumann-Osmin, Wirt und Zwickauer Original, widmete er ein eigenes Lied. Um ein lokales Gasthaus geht es auch im Lied „Bein Springer Gustav in Oberplanitz“.

In einem anderen Lied sang Hans Soph: „Drüm möcht ich halt starbn, wenn de Sunn unnergieht“. Und tatsächlich schloss er laut EZV bei Sonnenuntergang im Krankenhaus Schlobigplatz für immer die Augen. Das Grab mit der Inschrift „Dem erzgeb. Heimatsänger Hans Soph zum Gedenken“ befindet sich auf dem Zwickauer Hauptfriedhof. In Stadtteil Neuplanitz ist eine Straße nach dem Mundartkünstler benannt.

Kommen wir nun zum anderen Zwickauer Erzgebirgspoeten. Verbinden Sie Ihren nächsten Spaziergang im Zwickauer Schwanenteichpark oder durch die Bahnhofsvorstadt doch mal mit einem Abstecher in die Parkstraße. An der Hausnummer 3 werden Sie eine Gedenktafel bemerken: „In diesem Haus wurde Kurt Arnold Findeisen, der Dichter des Sachsenlandes, am 15. Okt. 1883 geboren.“ Der Findeisenweg an der Straßenbahn-Wendeschleife in Neuplanitz trägt seinen Namen.

1929 erhielt der Zwickauer als erster Dichter den im selben Jahr gestifteten sächsischen Lessingpreis. Bis zu seiner Entlassung durch die NSDAP leitete er die Schulfunkabteilung der Mitteldeutschen Rundfunk AG in Leipzig. Fortan schlug sich Wendelin Dudelsack, wie sein Pseudonym lautete, in Dresden als freischaffender Schriftsteller und Herausgeber durch. Beim Bombenangriff im Februar 1945 verlor er sein ganzes Hab und Gut.

Der Grabstein auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden-Johannstadt trägt Findeisens Leitspruch: „Die Heimat ist das Herz der Welt“. In Vergessenheit geriet der am 17. November 1963 verstorbene Schriftsteller nie. Der Ostberliner „Verlag der Nation“ verkaufte allein bis 1983 fast 600.000 Exemplare von Findeisen-Büchern wie „Der goldene Reiter und sein Verhängnis“, „Sohn der Wälder“, „Flügel der Morgenröte“ und „Eisvogel“. Gedichte und Bräuche aus dem „Goldenen Weihnachtsbuch“ sind über Sachsen hinaus fester Bestandteil der Adventszeit. Ins allgemeine Liedgut sind die Texte der Strophen zwei bis fünf des Liedes „Wenn`s Weihnachten ist“ eingegangen. Schon bald erklingt diese Weise von den frierenden Zuckerstangen und der Pfefferkuchenfrau aus Olbernhau wieder auf den Weihnachtsmärkten und in den Wohnzimmern.

In seinem Weihnachtsbuch beschreibt Findeisen die „erzgebirgische Weihnachtsseele“ mit treffenden Worten: „Im überlieferten Brauch des deutschen Weihnachtsbegängnisses läuft das Erzgebirge zweifellos allen übrigen Landschaften den Rang ab. Die Kunst, die Geburt des Christkindes so innig, so herzbewegt, so glitzerbunt wie nur irgend möglich zu feiern, ist hier seit Jahrhunderten so hoch gezüchtet worden, dass man sagen kann: Wenn nie ein historischer Christus der Welt gelebt hätte, im Erzgebirge würde seine Menschwerdung doch Jahr um Jahr immer von Neuem glaubhaft bewiesen werden.“

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