Hygiene-Institut macht Platz für Westsächsische Hochschule

Am 24. April setzt der Freistaat Sachsen eines der wichtigsten Zwickauer Innenstadt-Vorhaben der kommenden Jahre in Gang. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) beginnt mit dem Abriss des Hauses Äußere Schneeberger Straße 5, vielen Zwickauern noch als „Hygiene-Institut“ bekannt. „Seinen 68. Geburtstag wird das Gebäude nicht mehr erleben“, teilte der SIB jetzt mit. Ab Anfang Mai werde es Stück für Stück abgetragen. Auf der freiwerdenden Fläche soll ein Hochschulneubau mit bemerkenswerter Fassade entstehen (ZWICKAUTOPIA berichtete).

An der Stelle des Hygiene-Instituts setzt künftig das neue Technikum der Westsächsischen Hochschule (WHZ) einen modernen Akzent. Der 2016 vorgestellte Siegerentwurf des Büros Neumann Architekten aus Plauen sieht ein 26 Meter hohes, stadtbildprägendes Gebäude mit einer 36 mal 36 Meter großen Grundfläche vor. Die Fassade ist als Textilgeflecht gestaltet. Diese avantgardistische Architektur, an der es in Zwickau mangelt, würde der Innenstadt gut zu Gesicht stehen. Ob die Fassade tatsächlich so gestaltet wird, ist noch ebenso offen wie der konkrete Bautermin für das Technikum.

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Ehemaliges Hygiene-Institut kurz vor dem Abriss, April 2017. (Bildrechte: zwickautopia.de)
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So könnte das neue Technikum der Westsächsischen Hochschule Zwickau aussehen. (Visualisierung: Neumann Architekten Plauen)

Der Neubau am Knotenpunkt Dr.-Friedrichs-Ring/Äußere Schneeberger Straße soll einmal Nutzungsbereiche für die Fakultät Automobil- und Maschinenbau und Teile der Fakultät Physikalische Technik/Informatik vereinen. Auch die derzeit noch in der Außenstelle Reichenbach im Vogtland beheimatete Textil- und Ledertechnik soll hier einziehen.

Das Technikum ist ein wichtiger Baustein des Gesamtvorhabens „Innenstadtcampus“, der die City beleben und die Wahrnehmung der WHZ (4.600 Studenten) sowohl im Stadtbild als auch bei der überregionalen Studentenakquise verbessern soll. Weitere geplante Bauprojekte sind ein Hochtechnologiezentrum in der ehemaligen Druckerei Förster & Borries sowie ein neuer Hörsaal- und Mensakomplex an Stelle des ebenfalls zum Abriss vorgesehenen Jacob-Leupold-Baus. Die Achse Peter-Breuer-Straße – Dr.-Friedrichs-Ring soll sich somit bis 2025 zu einer „Straße der Wissenschaften“ verwandeln.

Der Umzug der letzten „Hausbewohner“ des Hygiene-Instituts – Turmfalke, Mauersegler und Fledermaus – wurde seit Februar vorbereitet. Der SIB ließ in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde Fassadenöffnungen schließen, welche den Turmfalken als Nistplatz dienten. Die Mauersegler bevorzugten aus gleichem Grund das Gesims des Hauses, welches für die Fledermäuse wiederum eine ideale Einflugschneise bot. „Um nun die Einen am Nisten zu hindern, den Fledermäusen jedoch so lang als möglich Zeit zum Verlassen des Gebäudes zu ermöglichen, halfen Vogelschutznetze, die zeitlich detailliert abgestimmt montiert wurden“, erklärt der Staatsbetrieb in seiner Pressemitteilung. Am sogenannten „Mette-Haus“ – nur 85 Meter Luftlinie entfernt – sind neue Nistkästen montiert worden. „Mitte April“, so der SIB, „wurde nun der Aufwand belohnt. Die ersten Turmfalken bezogen ihre neuen Behausungen am Mette-Haus.“

Sie fragen sich jetzt vielleicht: Wer oder was war eigentlich Mette? In den Büchern zur Stadthistorie findet sich darauf keine Antwort. Des Rätsels Lösung: Der Name stammt laut Denkmalpflege vom bayerischen Hauseigentümer, welcher das Gebäude nach der Wende sanierte. Er hatte offenbar das Bedürfnis, sich mit der goldenen Aufschrift „Mette-Haus“ an der Fassade zu verewigen. Daher ist das stadtgeschichtlich eher unbedeutende Gebäude unter diesem Namen bekannt.

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