Das U in Zwickau steht für „Ubineum“

In Brüssel gibt es ein Atomium, am Polarkreis ein Arktikum – und in Zwickau seit Neuestem ein Ubineum. So heißt fortan das ehemalige Erlenbad, welches innerhalb eines Jahres zu einem Kompetenzzentrum für Lösungen zum intelligenten Wohnen und Leben umgebaut worden ist. Das Besondere am Ubineum ist die Zusammenarbeit von Wohnungs- und Gesundheitswirtschaft, regionalem Energieversorger, Fachfirmen sowie Forschung und Entwicklung unter einem Dach. „Die Partner leben den Gedanken des Netzwerkes und stimmen sich im Interesse des Kunden untereinander ab“, teilt der Betreiber, die Gesellschaft für Intelligente Infrastruktur Zwickau (GIIZ), mit. Der ungewöhnliche Name „Ubineum“ wurde vom Begriff „ubiquitär“ (allgegenwärtig, überall verbreitet) abgeleitet.

„Das Leben und Wohnen der Menschen heute und in Zukunft sind die wegweisenden Themen der Wohnungs-, Gesundheits- und Energiewirtschaft, die durch die demografischen Entwicklungen immer mehr in den Vordergrund rücken“, betont die GIIZ. Das Zwickauer Kompetenzzentrum an der Uhdestraße 25 will „die kommenden Veränderungen der Gesellschaft durch die Digitalisierung entscheidend mitgestalten.“ Ganzheitliche und intelligent vernetzte Lösungen sollen Komfort und Sicherheit aller Altersgruppen erhöhen und gleichzeitig dabei helfen, Energie zu sparen. Die Eröffnung des sachsenweit wahrscheinlich einzigartigen Zentrums, in das 3,2 Millionen Euro investiert worden sind, lockte am 7. April sogar Sachsens Innenminister Markus Ulbig von der Landeshauptstadt Dresden nach Zwickau-Schedewitz.

Zwei Drittel der barrierefrei erreichbaren Gesamtfläche (1.180 qm) werden für Ausstellungen und eine Musterwohnung (200 qm) genutzt. Deren Besonderheiten sind eine Sprachsteuerung und elektrisch bedienbare Möbel. Auf den Ausstellungsflächen werden u. a. digitale Messtechnik, Angebote zur Elektromobilität und verschiedenste Bausteine wie Photovoltaik, Strom- und Wärmespeicher mit intelligenter Steuerung gezeigt. Neben der Musterwohnung wurde auch das gesamte Gebäude mit modernsten Methoden und intelligenter Technik realisiert. Multivalenter Wärmeknoten, schwarmintelligente Regelungen und energieeffiziente effektive Komplettlösungen werden von den Mitarbeitern bei Führungen erläutert. Im ehemaligen 25-Meter-Schwimmbecken entstand ein teilbarer Konferenzraum mit 100 Plätzen.

Unter dem Dach des Ubineums arbeiten folgende Partner mit der GIIZ zusammen: Zwickauer Energieversorgung, Westsächsische Wohn- und Baugenossenschaft, Johanniter-Unfall-Hilfe, Alippi, smart facility, SEF-Energietechnik, CelCos, Brunata Metrona, Elektroplanung Heidemann und Westsächsische Hochschule Zwickau.

Ob sich der Name „Ubineum“ einbürgert, bleibt abzuwarten. Viele Zwickauer haben im ehemaligen Erlenbad das Schwimmen erlernt und verbinden mit der von 1969 bis 1971 errichteten „Volksschwimmhalle“ persönliche Erinnerungen. 1971 war sie quasi ein Weihnachtsgeschenk an die Bevölkerung. Oberbürgermeisterin Lisbeth Windisch und Lothar Weber, 1. Sekretär der SED-Kreisleitung, weihten das Bad am 23. Dezember ein.

Die Schwimmhalle vom Typ „Anklam“ kostete 2,8 Millionen DDR-Mark und besaß fünf Wettkampfbahnen bei einer Wassertiefe von 1,80 Meter. Arbeiter aus den Zwickauer Betrieben (u.a. Martin-Hoop-Werk, August-Bebel-Werk, Reichsbahnausbesserungswerk), Genossen der Volkspolizeischule Zwickau-Planitz, Studenten der Ingenieurhochschule und das Pädagogischen Instituts sowie Mitglieder der Sportgemeinschaften unterstützten die Baubetriebe mit zusätzlichen Arbeitsstunden. Die Betriebssportgemeinschaft Sachsenring vom gleichnamigen Trabant-Werk hätte allerdings „etwas mehr tun können“, merkte der Projektleiter damals in der „Freien Presse“ an.

2005 wurde das Erlenbad nach 34-jährigem Betrieb aus finanziellen Gründen („Haushaltssicherungskonzept“) geschlossen. Auch 10.695 Unterschriften für den Erhalt der Halle konnten diesen Stadtratsbeschluss nicht mehr kippen. Im Jahr 2013, also in einer konjunkturell besseren Zeit, öffnete in der Nachbarschaft die neue und größere „Glück-Auf-Schwimmhalle“. Gleichzeitig schloss die sanierungsbedürftige DDR-Schwimmhalle an der Flurstraße.

Voraussichtlich bis Mai dauern die Restarbeiten an der äußeren Hülle des Ubineums und in seinem Umfeld. Das imposante Wandbild „Lebensbaum“, geschaffen vom Zwickauer Künstler Edgar Klier (1926-2015), soll künftig in dem Flachbau zu sehen sein. Das Mosaik im Stil des sozialistischen Realismus befand sich ursprünglich im Speisesaal der im Abriss befindlichen Strickwarenfabrik „Aktivist“ im Zwickauer Stadtteil Oberplanitz. Das Kunstwerk wurde eingelagert und soll nach Reinigungs- und Reparaturarbeiten im ehemaligen Erlenbad ausgestellt werden. Das Bild zeigt Stationen menschlichen Lebens – Kindheit, Liebe, Arbeit, Eltern- und Älterwerden.

Das Ubineum ist ein weiterer Baustein beim Ausbau des Wissenschaftsstandortes Zwickau. Erst Ende 2016 wurde in der Innenstadt (Keplerstraße 2) das neue Fraunhofer-Anwendungszentrum für Optische Messtechnik und Oberflächentechnologien (AZOM) eröffnet. Es ist nach Angaben der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) und des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik IWS Dresden die erste Einrichtung dieser Art in den neuen Bundesländern. Mit dem AZOM wird die Kooperation zwischen dem IWS und der WHZ weiter ausgebaut. Unterstützt wurde das Zentrum vom Freistaat Sachsen, der drei Millionen Euro für das Projekt bereitstellte. Mit mehreren Bauprojekten will die Hochschule in den kommenden Jahren ihre eigene Präsenz in der Innenstadt stärken (ZWICKAUTOPIA berichtete).

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