„A Cure for Wellness“: Hollywood setzt Zwickaus Johannisbad in Szene

Im Sommer 2015 klopfte Hollywood-Regisseur Gore Verbinski an die Pforten des Zwickauer Johannisbades. Das Jugendstil-Juwel öffnete dem amerikanischen Filmemacher die Türen – das Ergebnis der abgeschirmten Dreharbeiten ist seit Jahresbeginn im Kino zu sehen. Am 23. Februar startete der Psychothriller „A Cure for Wellness“ in den deutschen Lichtspielhäusern. Die prächtige Schwimmhalle des Bades bildet die Kulisse für ein fiktives Wellness-Resort in den Schweizer Alpen, in dem sich Rätselhaftes und Mysteriöses abspielt.

Düstere Musik, Menschenversuche, schockierende Momente: Die deutsch-amerikanische Koproduktion verspricht fast zweieinhalb Stunden Spannung und ist nichts für zarte Nerven. Nach rund einer halben Stunde ist das Zwickauer Johannisbad erstmals kurz zu sehen: Die wie ferngesteuert wirkenden Patienten des unheimlichen Spa-Zentrums, ausgebrannt von den Zwängen der modernen Arbeitswelt, betreiben Wassergymnastik mit roten und grünen Bällen (im Trailer bei Minute 0:27). Zum Ende des Films folgen weitere im Bad gedrehte kurze Filmsequenzen. Im Abspann wird der Drehort „City of Zwickau“ aufgeführt.

Die Hauptrolle des jungen New Yorker Managers Mr. Lockhart, der in der Heilanstalt seinen Vorstandsvorsitzenden ausfindig machen soll, spielt Dane DeHaan – bekannt als „Grüner Kobold“ aus „The Amazing Spider-Man 2“. Regisseur Verbinski drehte auch die ersten drei Teile der Piraten-Filmreihe „Fluch der Karibik“ mit den Weltstars Johnny Depp, Orlando Bloom und Keira Knightley. 2012 gewann er den Oscar für den Animationsfilm „Rango“.

Da der Thriller „A Cure for Wellness“ größtenteils durch Mittel aus der deutschen Filmförderung finanziert worden ist (z. B. durch die Mitteldeutsche Medienförderung), entstand er überwiegend in Deutschland. Gedreht wurde u.a. auch in Sachsen-Anhalt (Schraplau), Baden-Württemberg (Burg Hohenzollern bei Hechingen), Thüringen (Bahnhof Oberhof, Zella-Mehlis) und Brandenburg (Studio Potsdam-Babelsberg, Beelitz-Heilstätten). Mit moderner Computertechnik projizierten die Filmemacher die deutschen Drehorte in die Schweizer Alpenkulisse. Das Motiv des Sanatoriums im Gebirge könnte aus dem Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann entlehnt sein.

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A Cure for Wellness – Kinokarte aus dem Filmpalast Astoria Zwickau. (Bildrechte: zwickautopia.de)

Der stellenweise schwer verträgliche und demzufolge nicht unbedingt massentaugliche Film erweist sich in Deutschland weder als Kassenknüller noch als Kassengift. In der ersten Woche stieg er auf Platz fünf der Kinocharts ein, rutschte in der Folgewoche auf den neunten Platz ab und fiel schließlich aus den Top Ten. Bislang sahen rund 242.000 Besucher „A Cure for Wellness“ – das bedeutet Platz 37 in den Jahrescharts (Stand: 23. April, Quelle: www.insidekino.com). In den USA rangierte der Film nach einem zehnten Platz zum Kinostart schnell unter „ferner liefen“.

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft hat den Streifen ab einem Alter von 16 Jahren freigegeben. In der Begründung heißt es: „Der Film vereint in surrealem Setting Genre-Elemente von Mystery- und Horrorfilm. Der Plot bleibt dabei lange rätselhaft. Neben der düster-bedrohlichen Atmosphäre und diversen verstörenden Bildern können auch einzelne drastische Szenen von Gewalt und Folter Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren emotional überfordern.“

Das Johannisbad Zwickau vereint Epochen von Jugendstil und Neogotik mit einem Hauch orientalischer Badekultur und beherbergt heutzutage Bad, Sauna sowie einen modernen Wellnessbereich. Initiiert wurde der Bau vom Direktor der Krankenanstalten, Dr. Schlobig, der 1869 eine Bade- und Heilanstalt eröffnete. Nach einem Erweiterungsbau wurde 1904 der Gesamtkomplex des Johannisbades eingeweiht. 1991 musste es wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Im Rahmen des europäischen Urban-Projektes, verbunden mit Engagement von Bürgern und privaten Unternehmen, konnte das Denkmal Ende der 1990er Jahre umfassend saniert werden. 2012 besuchte der einmillionste Gast seit der Wiedereröffnung im Mai 2000 das architektonische Kleinod in der Zwickauer Nordvorstadt. Der Location Guide der Mitteldeutschen Medienförderung beschreibt die Sehenswürdigkeit als das „schönste Schwimmbad Sachsens“.

Fotos oben – Bildrechte:
Stadt Zwickau (Innenaufnahme), zwickautopia.de (Außenaufnahme)

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