Die Ärztehaus-Baustelle im Zeitraffer

Seit Dezember 2017 entsteht am Nahverkehrsknoten Neumarkt das neue Ärztehaus des Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikums (HBK). Das am westlichen Stadtrand ansässige HBK leistet mit diesem Bauvorhaben im Zentrum Zwickaus einen wichtigen Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung. Der Neubau soll nach seiner Fertigstellung als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) bis zu zehn Facharztpraxen bündeln. Dafür investiert die Bauherrin, die HBK-Poliklinik gemeinnützige GmbH, rund sieben Million Euro aus Eigenmitteln. ZWICKAUTOPIA hat den Baufortschritt dokumentiert.

Für das HBK-Ärztehaus musste 2017 das seit Jahren leerstehende und dem Verfall preisgegebene Gebäude der Puschkinschule weichen. Der Abriss erfolgte parallel zum laufenden Straßenbahn- und Busbetrieb. Der geplante Viergeschosser orientiert sich, gemäß den Vorgaben des Denkmalschutzes, an der Architektur der früheren Schule – zum Beispiel hinsichtlich der Gebäudehöhe und der Fensteranordnung.

Sandra Voigt, Geschäftsführerin der HBK-Poliklinik, erklärte im Rahmen der Grundsteinlegung Ende 2017: „Die HBK-Poliklinik wurde vor zehn Jahren mit zwei Arztpraxen gegründet. Seitdem ist das Unternehmen stetig gewachsen und besteht aktuell aus acht Medizinischen Versorgungszentren in Zwickau und im Umland, mit über 40 Praxen verschiedener Fachrichtungen und ca. 200 Angestellten. Der Bau eines eigenen Ärztehauses ist der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der HBK-Poliklinik. Dieser zukunftsweisende Schritt ermöglicht es, uns noch besser an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen sowie den medizinischen, demografischen und wirtschaftlichen Anforderungen unserer Zeit gerecht zu werden.“

Für den Umzug vorgesehen sind die Facharztpraxen des MVZ Poliklinik Mitte mit Gastroenterologie, Hausarzt, Orthopädie/Chirurgie und Neurologie (bislang Schumannplatz 5-7) sowie des MVZ Polimed mit Augenheilkunde, Urologie, HNO und Orthopädie 1 (bislang Werdauer Straße 66) und der Gynäkologie (bislang Poetenweg 10).

Der Grundriss des Ärztehauses wurde so konzipiert, dass Platz für den Bau eines weiteren Gleisbogens der Straßenbahn entsteht. Er würde umsteigefreie Verbindungen zwischen Zwickaus Westen (Klinikum, Hauptbahnhof) und Altstadt/Süden (Hauptmarkt, Stadthalle, Neuplanitz) ermöglichen und die Flexibilität des Straßenbahnverkehrs – zum Beispiel bei Umleitungen wegen Störungen im Netz – erhöhen. Die längere Puschkinschule stand dieser sinnvollen Netzoptimierung im Wege. Ob und wann der Gleisbogen gebaut wird, steht allerdings in den Sternen.

Der Neumarkt ist das Herz der Zwickauer Nordvorstadt. Auf diesem Platz im sehenswerten Gründerzeit- und Jugendstilviertel wird seit den 1930er-Jahren gehandelt, getratscht und herzhaft gegessen. Er wurde als hochwertiger öffentlicher Raum in der städtebaulich wichtigen Platzfolge Hauptmarkt – Schumannplatz – Neumarkt – Römerplatz angelegt, um den Frischemarkt aus der Innenstadt zu verlagern. Auf dem Neumarkt gibt es neben Blumen, Eiern oder Backwaren auch eine lokale Spezialität: die Zwickauer „Brühlette“, ein fingerdicker Fleischkäse im Brötchen.

Panorama des Zwickauer Neumarktes, Dezember 2017. (Bildrechte: zwickautopia.de)

Schon seit geraumer Zeit vollzieht sich rund um den Neumarkt ein städtebaulicher Wandel. Es wurde abgerissen, neu gebaut und saniert:

  • 2013 haben die Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau (SVZ) die Haltestelle Neumarkt (im Bereich der Bosestraße) modernisiert und barrierefrei ausgebaut. Drei Viertel der Kosten in Höhe von einer Million Euro übernahm der Freistaat Sachsen.
  • 2014 hat die Stadt Zwickau die Platzfläche für knapp eine Million Euro aufgewertet. Der Neumarkt erhielt moderne Verkaufsstände, neue Abwasser- und Trinkwasserleitungen, neue Bodenbeläge, ein Blindenleitsystem, barrierefreie Zugänge, eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge und neue Lichtmasten. An den Platzrändern wurden neue Bäume gepflanzt.
  • Die Zwickauer Wohnungsbaugenossenschaft (ZWG) hat 2015/16 die bis dato offene Westseite des Neumarktes mit einem Wohn- und Geschäftskomplex vollendet. Gleichzeitig hat die ZWG das Wohn- und Geschäftshaus Bosestraße 33 mit dem angeschlossenen denkmalgeschützten Flachbau grundhaft saniert. In den Flachbau sind ein Bäcker und das zuvor am Georgenplatz beheimatete SVZ-Kundenbüro eingezogen.

Das Ärztehaus wird die Passantenfrequenz erhöhen und könnte somit einem anderen Bauprojekt neuen Schwung verleihen. Seitdem 2013 ein Investor die maroden Häuser Leipziger Straße 6, 8, 10 und 12 abreißen ließ, um dort das Wohn- und Geschäftsquartier „Neumarkt-Karree Zwickau“ zu errichten, hat sich auf der Brache nichts mehr getan. Der Baustart platzte, weil sich offenbar zu wenige Kauf- und Mietinteressenten fanden. Zuletzt war für dieses Areal ein Parkhaus im Gespräch.

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