Dorint-Kette baut Zwickauer Gerhart-Hauptmann-Gymnasium zum „First Class“-Hotel um

Am Platz der Deutschen Einheit vollzieht sich in den beiden kommenden Jahren eines der wichtigsten städtebaulichen Projekte in Zwickau seit der Wiedervereinigung. Die Kölner Finanzholding Honestis AG, welche die Hotelkette „Dorint“ (über 40 Häuser in Deutschland und der Schweiz) hält, wird das leerstehende Schulgebäude zu neuem Leben erwecken und somit das Areal zwischen dem Schwanenteichpark und der Altstadt revitalisieren. „Eine durch die Honestis AG initiierte Objektgesellschaft hat das Gelände mit dem ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Gymnasium im Herzen von Zwickau gekauft und wird rund 24 Millionen Euro in ein First Class-Hotel mit 150 Gästezimmern, Restaurants/Bar und Veranstaltungsbereich investieren. Die offizielle Eröffnung ist für Ende 2020 geplant“, teilte der Konzern im Oktober 2018 mit. Dorint tritt in Konkurrenz zum nahegelegenen Vier-Sterne-Hotel „First Inn“ (126 Zimmer) am Kornmarkt, das bis 2017 unter der Marke „Holiday Inn“ firmierte.

Im Jahr 2005 endete im „GHG“, benannt nach dem Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann (1862-1946), der Schulbetrieb als eigenständiges Gymnasium. Danach wurde das Gebäude vom Clara-Wieck-Gymnasium Zwickau-Planitz als Außenstelle und vom Theater Plauen-Zwickau für Probezwecke genutzt. Die bauvorbereitenden Arbeiten für die neue Nutzung als Hotel starteten im Herbst des vergangenen Jahres. Am Dr.-Friedrichs-Ring/Ecke Amtsgerichtsstraße wurde das alte Gebäude der Stadtbibliothek, die im Jahr 2014 das sanierte mittelalterliche Kornhaus bezogen hat, abgerissen. Hier entsteht ein Neubau mit Hotelzimmern und Parkgarage, der mit einer gläsernen Brücke an den Altbau angebunden wird. Das 1870 erbaute, denkmalgeschützte Schulgebäude mit den schönen Fassadendetails, Bleiglasfenstern und großzügigen Räumlichkeiten soll seinen Charakter im Wesentlichen behalten. Hier sind Seminarräume, ein Restaurant und eine dem Landgericht zugewandte Terrasse geplant.

Die Hotelgäste erreichen die Fußgängerzonen Innere und Äußere Plauensche Straße, den Hauptmarkt mit dem Robert-Schumann-Haus, den Dom St. Marien und das Naherholungsgebiet am Schwanenteich bequem zu Fuß in fünf bis zehn Minuten. Die bundesweit vertretene Hotelkette will aber nicht nur Städtereisende nach Zwickau locken, sondern hat auch das Geschäftsreisepublikum, vor allem aus der Automobilindustrie, im Blick. Volkswagen baut derzeit sein Zwickauer Fahrzeugwerk im Stadtteil Mosel zum größten und leistungsfähigsten E-Auto-Werk des Konzerns um. Von Zwickau aus will VW seine weltweite Elektro-Offensive starten. Künftig sollen hier bis zu 330.000 E-Modelle pro Jahr vom Band laufen. „Zwickau hat jetzt große Möglichkeiten, auch durch die Entscheidung von VW natürlich“, sagte der Projektentwickler Kurt Fliegerbauer bei der erstmaligen Vorstellung der Hotelpläne im Frühjahr 2018 und regte an, das Zentralmanagement für Elektromobilität von Wolfsburg in die Zwickauer Innenstadt zu verlegen.

Der Platz der Deutschen Einheit (in der DDR Rosa-Luxemburg-Platz, vorher Albertplatz), galt einst als der schönste Platz in Zwickau und hat seinen alten Glanz endlich bald an allen Seiten des Platzes zurück. Das Landgericht im Süden (1876-79 erbaut), das Justizgebäude im Westen (ehemaliges Kaiserliches Post- und Telegrafenamt, 1883/84) und das Hauptmann-Gymnasium im Norden bilden ein repräsentatives Gründerzeit-Ensemble. Die klassizistische alte Bürgerschule (1840/42, Peter-Breuer-Straße 13) prägt die Ostseite, welche vom Turm des Dom St. Mariens überragt wird.

Platz der Deutschen Einheit mit Gerhart-Hauptmann-Gymnasium (links), ehemaliger Bürgerschule (dahinter: Dom St. Marien) und Landgericht. (Bildrechte: zwickautopia.de)
Platz der Deutschen Einheit mit Gerhart-Hauptmann-Gymnasium (rechts), ehemaligem Post- und Telegrafenamt (Mitte) und Landgericht. (Bildrechte: zwickautopia.de)

Jo Harbort schuf das Denkmal zu Ehren Rosa Luxemburgs (Inschrift: „Freiheit ist immer Freiheit des anders Denkenden“), die 1904 wegen „Majestätsbeleidigung“ eine dreimonatige Strafe im Landgerichtsgefängnis antrat. Die an der Hinterseite des Gerichtes angeschlossene Gefangenenanstalt (1899 eröffnet) wird durch einen Neubau auf dem Gelände des früheren Reichsbahnausbesserungswerkes am westlichen Zwickauer Stadtrand ersetzt. Die gemeinsame Haftanstalt der Freistaaten Sachsen und Thüringen soll bis voraussichtlich Ende 2023 fertiggestellt sein. Für die Nachnutzung des Gefängnisgebäudes in der Innenstadt sind derzeit keinen konkreten Pläne bekannt.

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