Sommer 1989: Feriengrüße aus Zwickau

Diese längst vergessen geglaubte Postkarte habe ich kürzlich beim Aufräumen wiederentdeckt – ein wirklich schönes Fundstück. Geschrieben habe ich sie im Juli 1989 an meine in der Sächsischen Schweiz lebende Familie während des alljährlichen Sommerferien-Aufenthaltes bei meinen Großeltern und Urgroßeltern in Zwickau und Klingenthal (Aschberg). Meine Begeisterung für Zwickau kam schon damals zum Ausdruck. Warum ich meine Geburtsstadt so mag und warum ich sie auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ans Herz lege, habe ich rund 30 Jahre später in meinem Buch  „Zwickau – Der Stadtführer. Lockruf, Lektüre, Lokalkompass“ ausführlich beschrieben. Hier ein Auszug:

Meine Liebe zur Stadt Zwickau speist sich in erster Linie aus den vielen Kindheits- und Jugenderlebnissen und Erzählungen meiner Großeltern mütterlicherseits, die zwei für Zwickau typische Arbeitsbiografien aufweisen: Meine Großmutter – von meinem Opa liebevoll „Edelstein“ genannt – arbeitete in der Textilfabrik „Aktivist“, mein Großvater beim Trabant-Produzenten „Sachsenring“. (…)

Zwar verbrachte ich nur mein erstes Lebensjahr in Zwickau, doch der Kontakt in die Muldestadt riss nie ab. Als Kind war die „Metropole“ Zwickau mit Hochhäusern, Rolltreppen, Spielzeugläden, Ikarus-Gelenkbussen, Straßenbahnen und Westfernseh-Empfang der abenteuerliche Gegensatz zum alltäglichen Dorfleben im „Tal der Ahnungslosen“, wo ich aufgewachsen bin und der Name ARD für „Außer Raum Dresden“ stand. In den Ferien und an Wochenenden haben mein Bruder und ich viel Zeit bei den Großeltern im Stadtteil Niederplanitz verbracht.

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(Bildquelle: Archiv zwickautopia.de)

Mit meiner Kindheit und Jugend in Zwickau verbinde ich Besuche im Tierpark Hirschfeld und Strandbad Planitz, meinen ersten Flug (Rundflug mit Start auf dem Flugplatz), das leise Surren der Segelflugzeuge über Planitz, Einkäufe in Planitzer Traditionsgeschäften (Bäckerei Tauscher, Schreibwaren-Liebold, Blumenhaus Wappler), ein Zeitungspraktikum bei der „Freien Presse“ und Stadionbesuche, als der FSV Zwickau an die Tür zur 1. Bundesliga klopfte. Der letzte Trabant rollte an meinem 13. Geburtstag vom Band. Mein erstes Auto war fünf Jahre später ein Trabi. (…)

Obwohl sich manche Kindheitseindrücke längst relativiert haben, bewahre ich mir meine Begeisterung für Zwickau. Mit diesem Stadtführer – eine persönliche Herzensangelegenheit – möchte ich Sie daran teilhaben lassen.

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