Millionen-Kur für Dresdner Wahrzeichen aus Zwickauer Stahl

Das „Blaue Wunder“ gehört zu den touristischen Attraktionen der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. In die Elbhänge malerisch eingebettet, verbindet die 280 Meter lange Brücke die Villenviertel Blasewitz und Loschwitz. Die Königin Marienhütte im heutigen Zwickauer Stadtteil Cainsdorf hat einst die Stahlteile für die 1893 geweihte „Loschwitzer Brücke“ – so heißt die graublaue Elbquerung offiziell – gefertigt. In der Tradition der Cainsdorfer Hütte steht das am Zwickauer Brückenberg ansässige, international agierende Unternehmen ZSB Zwickauer Sonderstahlbau.

Die beeindruckende Dresdner Elbquerung war die 1.500. Brücke des westsächsischen Werks. Als eine der ersten Brücken überhaupt kam das Blaue Wunder ohne Pfeiler im Strom aus. Vor der Eröffnung musste es einer Belastungsprobe standhalten: Auf der Brücke befanden sich gleichzeitig u. a. mit Steinen und Schiffsankern beladene Straßenbahnen, Dampf- und Straßenwalzen, Wasserwagen, Pferdekutschen, eine Kompanie des Dresdner Jägerbataillons und 150 Passanten.

Die hohe Verkehrsbelastung des Blauen Wunders führte mit zum Bau der 2013 eröffneten Waldschlösschenbrücke, die Dresden den Unesco-Welterbetitel kostete. Bereits 1985 war die Straßenbahn von der historischen Brücke verbannt worden. In den nächsten Jahren lässt die Stadt Dresden das betagte Bauwerk umfassend sanieren. „Für das kommende Jahrzehnt wird das historische Wahrzeichen der Stadt in verschiedenen Etappen zu einer Dauerbaustelle. Die geplanten Arbeiten kosten etwa 45 Millionen Euro“, teilte die Stadtverwaltung im Dezember 2017 mit. Erneuert werden der Korrosionsschutz, Geländer und Streben, Ankerkammern und Lager, Fahrbahnen und Gehwege. Darüber hinaus werden Risse in den Pfeilern verpresst.

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„German Expressionism“ aus Zwickau

Die Sammlung des Los Angeles County Museum of Art (LACMA) umfasst 130.000 Werke von der Antike bis zur Gegenwart. Damit ist die 1910 gegründete Einrichtung das größte Kunstmuseum der westlichen USA. Die Arbeiten deutscher Expressionisten, darunter Max Pechstein (1881-1955), sind immer wieder Bestandteil der Präsentationen im LACMA. So enthielten die Ausstellungen „AKTION! Art and Revolution in Germany, 1918-19“ (zu sehen 2015/16) und „Visions of the South“ (2014) Werke des gebürtigen Zwickauers und Mitglieds der Dresdner Künstlergruppe „Brücke“.

Auch bei meinem Museumsbesuch im Mai 2017 wurden Werke des deutschen Expressionismus gezeigt. Im Gebäude „Ahmanson Building“ – benannt nach dem Geschäftsmann und Museums-Mäzen Howard F. Ahmanson Sr. – habe ich zwei Pechsteinsche Ölgemälde auf Leinwand entdeckt. Das Werk „Portrait of a Girl/Still Life with Fan“ (Porträt eines Mädchens/Stillleben mit Fächer) entstand 1919/20 und stammt aus der Sammlung von Rosabelle und Stanley Bergermann. Das Werk „Sunlight“ (1921), ein Geschenk des Filmregisseurs Josef von Sternberg („Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich), zeigt zwei Frauen im Sonnenlicht.

Zu den größten Geldgebern des Museums zählt der US-Batteriehersteller Johnson Controls, der im Industriegebiet an der Reichenbacher Straße in Zwickau ein Werk für Start-Stopp-Batterien betreibt. Auf einer Spendertafel ist das Unternehmen in der Kategorie „500.000 bis 999.999 Dollar“ gelistet.

Auf der Homepage des LACMA finden sich detaillierte biografische Angaben zu Pechstein. Das große Interesse in Amerika an expressionistischer Kunst aus Deutschland lässt erahnen, welch internationales Potenzial im noch jungen Zwickauer Max-Pechstein-Museum für den Tourismus und damit den Bekanntheitsgrad der Stadt Zwickau steckt. Das 2014 eröffnete Museum, das in einem Seitenflügel der Kunstsammlungen Zwickau untergebracht ist, zeigt die weltweit größte Pechstein-Sammlung.

Trabi total von Kopenhagen bis Kalifornien

Vor 60 Jahren, am 7. November 1957, lief im Zwickauer Sachsenring-Werk der erste „Trabant“ vom Montageband. Dieser Name, welcher Begleiter oder Weggefährte bedeutet, war aus Vorschlägen der Beschäftigten hervorgegangen. Weil es an Blech fehlte, verwendeten die Ingenieure einen Kunststoff aus Phenolharz und Baumwolle: „Duroplast“, eine geniale Improvisation angesichts der Materialknappheit. Mit Zweitaktmotor und „Reng-Deng-Deng“-Sound wurde das Auto (26 PS, 110 km/h), von dem bis zum 30. April 1991 fast 3,1 Millionen Exemplare gefertigt worden sind, zum Soundtrack des Alltags in der DDR. Sogar das Sandmännchen rollte im Trabi zum „Abendgruß“.

Zwickau ehrt den DDR-Volkswagen mit einer „Trabantstraße“ und einem Denkmal am August-Horch-Museum. Es stellt eine dreiköpfige Familie mit ihrem „Trabi“ dar und würdigt die Automobilwerker, welche „dank ihres Erfindergeistes und ihrer Improvisationsfähigkeit allen widrigen Umständen zum Trotz mehr als 30 Jahre diesen zuverlässigen und langlebigen Kleinwagen bauten.“ Weiterentwicklungen des anfangs zeitgemäßen Pkw, der 1970 einen Doppelsieg bei der Rallye Monte Carlo einfuhr, lehnten die SED-Parteifunktionäre ab. Moderne Modelle hätten die Nachfrage – Wartezeiten von zehn und mehr Jahren waren die Regel – weiter verschärft. Es hält sich das Gerücht, Pläne für Trabant-Prototypen seien in Wolfsburg gelandet und der erste VW Golf sei quasi in Wahrheit in Zwickau erfunden worden. Ein Trabi-Viertakter mit Polo-Motor ging erst 1990 und damit viel zu spät in Serie.

Im Zwickauer Nordwesten lebt der Werksname, welcher sich von der Rennstrecke Sachsenring im Landkreis Zwickau ableitet, weiter: im Firmennamen „Sachsenring Karosseriemodule“ sowie in Bezeichnungen wie „Klubhaus Sachsenring“, Bushaltestelle „Sachsenring“, „Kindertagesstätte Sachsenring“, „Sachsenring-Apotheke“ und „Tennisclub Sachsenring“. Auch eine „Chorvereinigung Sachsenring“ gibt es in Zwickau.

Der Zwickauer „Verein Internationales Trabant Register“ pflegt das „Kulturgut Trabant“. Er ist Inhaber der Marken „Trabant“, „601 de luxe“ und Sachsenring-„S“ und gehört zu den Organisatoren des Internationalen Trabantfahrer-Treffens (ITT). Die Szene trifft sich auch beim „Trabant- und Ostfahrzeugtreffen“ des Trabant-Clubs Zwickau. Der Dokumentarfilm „Wolle auf Asphalt“ feierte 2017 in Zwickau – wo sonst – Premiere.

Auch andernorts huldigt man dem Kleinwagen mit einer Mischung aus Kult, Kitsch und Kommerz. ZWICKAUTOPIA hat sich in Berlin, Dresden, Kopenhagen, Los Angeles und Prag auf die Spuren des rollenden Zwickauer Botschafters begeben.

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Ein Denkmal für den Rekord-Rennfahrer der Auto-Union

An der Autobahn A5 (Parkplatz „Bornbruch“, Fahrtrichtung Darmstadt) erinnert ein Gedenkstein an Bernd Rosemeyer (1909-1938). Er war einer der besten Rennfahrer in der Geschichte des deutschen Motorsports. Der Emsländer startete für das sächsische Unternehmen Auto-Union, Vorläufer des heutigen Weltkonzerns Audi, mit Sitz in Chemnitz. Die Rennabteilung der Auto-Union ist von Zwickau aus gesteuert worden. Anfang 2018 jährt sich der tragische Unfalltod der Silberpfeil-Legende Rosemeyer zum 80. Mal.

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Auf den Spuren großer Zwickauer in Wien und Amsterdam

Meine beiden letzten Recherchereisen für die Serie „Auf Zwickauer Spuren“ in der Tageszeitung „Freie Presse“ führten mich in zwei europäische Hauptstädte. Wien  wurde zur Schicksalsstadt für den Zwickauer Fußball und Künstler aus der Muldestadt. Dort habe ich mich auf die Spuren der Kicker des Planitzer SC, von Jürgen Croy, Gert Fröbe, Robert und Clara Schumann begeben. Das rastlose Musikerpaar gastierte auch in Amsterdam. Ihre dortige Wirkungsstätte ist ein beliebtes Fotomotiv.

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Klein, aber fein: Die Zwickauer Straßen in Moers, Lippstadt und Herten

Zwickau und das linksrheinische Moers im Ruhrgebiet sind ehemalige Zentren des Bergbaus. Der Steinkohleabbau ist möglicherweise ein Grund, warum es in der laut PR-Broschüre „schönen Niederrheinmetropole“ (105.000 Einwohner) eine Zwickauer Straße gibt. Das Fazit nach meiner fast 600 Kilometer langen Reise von Dresden in die zwischen Duisburg und Krefeld gelegene Stadt: Deutschlands facettenreichste Zwickauer Straße liegt in Moers – ich schwör’s! Unterwegs habe ich auch ihre Pendants in Lippstadt und Herten besichtigt.

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