„German Expressionism“ aus Zwickau

Die Sammlung des Los Angeles County Museum of Art (LACMA) umfasst 130.000 Werke von der Antike bis zur Gegenwart. Damit ist die 1910 gegründete Einrichtung das größte Kunstmuseum der westlichen USA. Die Arbeiten deutscher Expressionisten, darunter Max Pechstein (1881-1955), sind immer wieder Bestandteil der Präsentationen im LACMA. So enthielten die Ausstellungen „AKTION! Art and Revolution in Germany, 1918-19“ (zu sehen 2015/16) und „Visions of the South“ (2014) Werke des gebürtigen Zwickauers und Mitglieds der Dresdner Künstlergruppe „Brücke“.

Auch bei meinem Museumsbesuch im Mai 2017 wurden Werke des deutschen Expressionismus gezeigt. Im Gebäude „Ahmanson Building“ – benannt nach dem Geschäftsmann und Museums-Mäzen Howard F. Ahmanson Sr. – habe ich zwei Pechsteinsche Ölgemälde auf Leinwand entdeckt. Das Werk „Portrait of a Girl/Still Life with Fan“ (Porträt eines Mädchens/Stillleben mit Fächer) entstand 1919/20 und stammt aus der Sammlung von Rosabelle und Stanley Bergermann. Das Werk „Sunlight“ (1921), ein Geschenk des Filmregisseurs Josef von Sternberg („Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich), zeigt zwei Frauen im Sonnenlicht.

Zu den größten Geldgebern des Museums zählt der US-Batteriehersteller Johnson Controls, der im Industriegebiet an der Reichenbacher Straße in Zwickau ein Werk für Start-Stopp-Batterien betreibt. Auf einer Spendertafel ist das Unternehmen in der Kategorie „500.000 bis 999.999 Dollar“ gelistet.

Auf der Homepage des LACMA finden sich detaillierte biografische Angaben zu Pechstein. Das große Interesse in Amerika an expressionistischer Kunst aus Deutschland lässt erahnen, welch internationales Potenzial im noch jungen Zwickauer Max-Pechstein-Museum für den Tourismus und damit den Bekanntheitsgrad der Stadt Zwickau steckt. Das 2014 eröffnete Museum, das in einem Seitenflügel der Kunstsammlungen Zwickau untergebracht ist, zeigt die weltweit größte Pechstein-Sammlung.

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Trabi total von Kopenhagen bis Kalifornien

Vor 60 Jahren, am 7. November 1957, lief im Zwickauer Sachsenring-Werk der erste „Trabant“ vom Montageband. Dieser Name, welcher Begleiter oder Weggefährte bedeutet, war aus Vorschlägen der Beschäftigten hervorgegangen. Weil es an Blech fehlte, verwendeten die Ingenieure einen Kunststoff aus Phenolharz und Baumwolle: „Duroplast“, eine geniale Improvisation angesichts der Materialknappheit. Mit Zweitaktmotor und „Reng-Deng-Deng“-Sound wurde das Auto (26 PS, 110 km/h), von dem bis zum 30. April 1991 fast 3,1 Millionen Exemplare gefertigt worden sind, zum Soundtrack des Alltags in der DDR. Sogar das Sandmännchen rollte im Trabi zum „Abendgruß“.

Zwickau ehrt den DDR-Volkswagen mit einer „Trabantstraße“ und einem Denkmal am August-Horch-Museum. Es stellt eine dreiköpfige Familie mit ihrem „Trabi“ dar und würdigt die Automobilwerker, welche „dank ihres Erfindergeistes und ihrer Improvisationsfähigkeit allen widrigen Umständen zum Trotz mehr als 30 Jahre diesen zuverlässigen und langlebigen Kleinwagen bauten.“ Weiterentwicklungen des anfangs zeitgemäßen Pkw, der 1970 einen Doppelsieg bei der Rallye Monte Carlo einfuhr, lehnten die SED-Parteifunktionäre ab. Moderne Modelle hätten die Nachfrage – Wartezeiten von zehn und mehr Jahren waren die Regel – weiter verschärft. Es hält sich das Gerücht, Pläne für Trabant-Prototypen seien in Wolfsburg gelandet und der erste VW Golf sei quasi in Wahrheit in Zwickau erfunden worden. Ein Trabi-Viertakter mit Polo-Motor ging erst 1990 und damit viel zu spät in Serie.

Im Zwickauer Nordwesten lebt der Werksname, welcher sich von der Rennstrecke Sachsenring im Landkreis Zwickau ableitet, weiter: im Firmennamen „Sachsenring Karosseriemodule“ sowie in Bezeichnungen wie „Klubhaus Sachsenring“, Bushaltestelle „Sachsenring“, „Kindertagesstätte Sachsenring“, „Sachsenring-Apotheke“ und „Tennisclub Sachsenring“. Auch eine „Chorvereinigung Sachsenring“ gibt es in Zwickau.

Der Zwickauer „Verein Internationales Trabant Register“ pflegt das „Kulturgut Trabant“. Er ist Inhaber der Marken „Trabant“, „601 de luxe“ und Sachsenring-„S“ und gehört zu den Organisatoren des Internationalen Trabantfahrer-Treffens (ITT). Die Szene trifft sich auch beim „Trabant- und Ostfahrzeugtreffen“ des Trabant-Clubs Zwickau. Der Dokumentarfilm „Wolle auf Asphalt“ feierte 2017 in Zwickau – wo sonst – Premiere.

Auch andernorts huldigt man dem Kleinwagen mit einer Mischung aus Kult, Kitsch und Kommerz. ZWICKAUTOPIA hat sich in Berlin, Dresden, Kopenhagen, Los Angeles und Prag auf die Spuren des rollenden Zwickauer Botschafters begeben.

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Auf den Spuren großer Zwickauer in Wien und Amsterdam

Meine beiden letzten Recherchereisen für die Serie „Auf Zwickauer Spuren“ in der Tageszeitung „Freie Presse“ führten mich in zwei europäische Hauptstädte. Wien  wurde zur Schicksalsstadt für den Zwickauer Fußball und Künstler aus der Muldestadt. Dort habe ich mich auf die Spuren der Kicker des Planitzer SC, von Jürgen Croy, Gert Fröbe, Robert und Clara Schumann begeben. Das rastlose Musikerpaar gastierte auch in Amsterdam. Ihre dortige Wirkungsstätte ist ein beliebtes Fotomotiv.

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Die Z-Connection: Zu Besuch in Zwickaus Partnerstadt Zaanstad

Die Fluggesellschaft KLM verbindet seit dem Frühjahr die sächsische Landeshauptstadt Dresden täglich mit Amsterdam. Dieses neue Angebot habe ich genutzt, um im Rahmen eines Kurzurlaubs Zwickaus Partnerkommune Zaanstad vor den Toren der niederländischen Hauptstadt zu besuchen. Die kriselnde Kooperation besteht seit fast 30 Jahren. An einem verregneten Septembervormittag habe ich mich im Ortsteil Zaandam umgeschaut, wo es trotz des grauen Wetters nicht an Farbtupfern mangelte.

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Südtirol, Glück auf! Eine Wanderung zum höchsten Dach von Zwickau

In den Ötztaler Alpen steht in 2.989 Metern Höhe die Zwickauer Hütte. Die Sektion Zwickau des Deutschen Alpenvereins hat dieses Schutzhaus für Wanderer 1899 errichtet. Das von Juli bis September bewirtschaftete, mit Betten und Matratzen ausgestattete Berghaus gehört zum Südtiroler Ort Pfelders (italienisch: Plan) im Meraner Land. Bei Wanderern ist es deshalb auch als „Planfernerhütte“ und unter der italienischen Bezeichnung „Rifugio Plan“ bekannt. 1933 wurde die Hütte vermutlich von Schmugglern angezündet und brannte ab. 1960 baute die Sektion Meran des Italienischen Alpenvereins (CAI) Zwickaus „Exklave“ wieder auf. Eine Explosion zerstörte sie 1967 erneut. Der zweite Wiederaufbau erfolgte Anfang der 1980er Jahre. Anlässlich des 115-jährigen Jubiläums wanderte im Sommer 2014 eine Zwickauer Delegation um Oberbürgermeisterin Pia Findeiß zum quasi höchsten Dach der Stadt. Die Exkursion endete tragisch: Baubürgermeister Rainer Dietrich brach mit Atemproblemen zusammen und verstarb trotz sofortiger Hilfe. Statt der Jubiläumsfeier wurde in Pfelders ein Gedenkgottesdienst veranstaltet.

ZWICKAUTOPIA wagte den Aufstieg im September 2014. Viele Impressionen von der bislang abenteuerlichsten Spurensuche in der Geschichte dieses Blogs enthält die Bildergalerie.

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Technik-Pionier Rasmussen: Auf Spurensuche zwischen Kopenhagen und Karibik

Der Däne Jørgen Skafte Rasmussen (1878-1964) hat die Anfänge des Fahrzeugbaus in Sachsen wesentlich mitgeprägt. Die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) schreibt einen Rasmussen-Preis für hervorragende Diplomarbeiten in der Produktionstechnik aus und hat ihr Technikum I an der Äußeren Schneeberger Straße nach ihm benannt. „Rasmussen förderte maßgeblich die südwestsächsische Industrie. Seine Lebensarbeit galt dem Aufbau eines vielschichtigen deutschen Industrieunternehmens, das mit seinem Kern, den Zschopauer Motorenwerken, den dort produzierten DKW-Motorrädern und DKW-Automobilen die Basis und weitgehend das finanzielle Rückgrat der Auto Union wurde“, hieß es seitens der WHZ zur Namensweihe des Rasmussen-Baus im Jahr 2004.

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Eurocity und Elbeschiff: Robert und Clara Schumann auf großer Fahrt

Ein blauer Fernzug namens „Robert Schumann“ rollt täglich durch drei Millionenstädte in Deutschland und Tschechien. Clara Schumann ist Namensgeberin eines Kreuzfahrtschiffes auf der Elbe. ZWICKAUTOPIA hat die fahrenden Schumanns in Prag, Dresden und Hamburg abgepasst.

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