Trabi total von Kopenhagen bis Kalifornien

Vor 60 Jahren, am 7. November 1957, lief im Zwickauer Sachsenring-Werk der erste „Trabant“ vom Montageband. Dieser Name, welcher Begleiter oder Weggefährte bedeutet, war aus Vorschlägen der Beschäftigten hervorgegangen. Weil es an Blech fehlte, verwendeten die Ingenieure einen Kunststoff aus Phenolharz und Baumwolle: „Duroplast“, eine geniale Improvisation angesichts der Materialknappheit. Mit Zweitaktmotor und „Reng-Deng-Deng“-Sound wurde das Auto (26 PS, 110 km/h), von dem bis zum 30. April 1991 fast 3,1 Millionen Exemplare gefertigt worden sind, zum Soundtrack des Alltags in der DDR. Sogar das Sandmännchen rollte im Trabi zum „Abendgruß“.

Zwickau ehrt den DDR-Volkswagen mit einer „Trabantstraße“ und einem Denkmal am August-Horch-Museum. Es stellt eine dreiköpfige Familie mit ihrem „Trabi“ dar und würdigt die Automobilwerker, welche „dank ihres Erfindergeistes und ihrer Improvisationsfähigkeit allen widrigen Umständen zum Trotz mehr als 30 Jahre diesen zuverlässigen und langlebigen Kleinwagen bauten.“ Weiterentwicklungen des anfangs zeitgemäßen Pkw, der 1970 einen Doppelsieg bei der Rallye Monte Carlo einfuhr, lehnten die SED-Parteifunktionäre ab. Moderne Modelle hätten die Nachfrage – Wartezeiten von zehn und mehr Jahren waren die Regel – weiter verschärft. Es hält sich das Gerücht, Pläne für Trabant-Prototypen seien in Wolfsburg gelandet und der erste VW Golf sei quasi in Wahrheit in Zwickau erfunden worden. Ein Trabi-Viertakter mit Polo-Motor ging erst 1990 und damit viel zu spät in Serie.

Im Zwickauer Nordwesten lebt der Werksname, welcher sich von der Rennstrecke Sachsenring im Landkreis Zwickau ableitet, weiter: im Firmennamen „Sachsenring Karosseriemodule“ sowie in Bezeichnungen wie „Klubhaus Sachsenring“, Bushaltestelle „Sachsenring“, „Kindertagesstätte Sachsenring“, „Sachsenring-Apotheke“ und „Tennisclub Sachsenring“. Auch eine „Chorvereinigung Sachsenring“ gibt es in Zwickau.

Der Zwickauer „Verein Internationales Trabant Register“ pflegt das „Kulturgut Trabant“. Er ist Inhaber der Marken „Trabant“, „601 de luxe“ und Sachsenring-„S“ und gehört zu den Organisatoren des Internationalen Trabantfahrer-Treffens (ITT). Die Szene trifft sich auch beim „Trabant- und Ostfahrzeugtreffen“ des Trabant-Clubs Zwickau. Der Dokumentarfilm „Wolle auf Asphalt“ feierte 2017 in Zwickau – wo sonst – Premiere.

Auch andernorts huldigt man dem Kleinwagen mit einer Mischung aus Kult, Kitsch und Kommerz. ZWICKAUTOPIA hat sich in Berlin, Dresden, Kopenhagen, Los Angeles und Prag auf die Spuren des rollenden Zwickauer Botschafters begeben.

„Trabi total von Kopenhagen bis Kalifornien“ weiterlesen

Advertisements

70 Jahre „Zwicke“ in Berlin

Der Name „Zwicke“, umgangssprachliche Bezeichnung für Zwickau, ist auch den Berlinern ein Begriff. So heißt der älteste Jugendclub der Hauptstadt. Er liegt am Zwickauer Damm 112 im Bezirk Neukölln und feiert 2017 sein 70-jähriges Jubiläum.

„70 Jahre „Zwicke“ in Berlin“ weiterlesen

Auf großer Fahrt von Rostock bis Rio: Die DDR-Schiffsflotte namens „Zwickau“

Im tschechischen Mělník, 30 Kilometer nördlich von Prag, liegt in einem Seitenarm der Elbe das Wrack des Binnenfrachters „MS Zwickau“. Bug und Heck des untergegangenen Schiffes ragen aus dem Fluss heraus. Deutlich zu erkennen ist der Schriftzug „Berenica“, wie die Titanic von Mělník zuletzt hieß. Fast vier Jahrzehnte lang war der 67 Meter lange und acht Meter breite Frachter als Botschafter der Automobil- und Robert-Schumann-Stadt unterwegs. Dieses und weitere Schiffe namens „Zwickau“ haben zu DDR-Zeiten Kurs auf Binnen- oder Überseeziele genommen.

„Auf großer Fahrt von Rostock bis Rio: Die DDR-Schiffsflotte namens „Zwickau““ weiterlesen

Südtirol, Glück auf! Eine Wanderung zum höchsten Dach von Zwickau

In den Ötztaler Alpen steht in 2.989 Metern Höhe die Zwickauer Hütte. Die Sektion Zwickau des Deutschen Alpenvereins hat dieses Schutzhaus für Wanderer 1899 errichtet. Das von Juli bis September bewirtschaftete, mit Betten und Matratzen ausgestattete Berghaus gehört zum Südtiroler Ort Pfelders (italienisch: Plan) im Meraner Land. Bei Wanderern ist es deshalb auch als „Planfernerhütte“ und unter der italienischen Bezeichnung „Rifugio Plan“ bekannt. 1933 wurde die Hütte vermutlich von Schmugglern angezündet und brannte ab. 1960 baute die Sektion Meran des Italienischen Alpenvereins (CAI) Zwickaus „Exklave“ wieder auf. Eine Explosion zerstörte sie 1967 erneut. Der zweite Wiederaufbau erfolgte Anfang der 1980er Jahre. Anlässlich des 115-jährigen Jubiläums wanderte im Sommer 2014 eine Zwickauer Delegation um Oberbürgermeisterin Pia Findeiß zum quasi höchsten Dach der Stadt. Die Exkursion endete tragisch: Baubürgermeister Rainer Dietrich brach mit Atemproblemen zusammen und verstarb trotz sofortiger Hilfe. Statt der Jubiläumsfeier wurde in Pfelders ein Gedenkgottesdienst veranstaltet.

ZWICKAUTOPIA wagte den Aufstieg im September 2014. Viele Impressionen von der bislang abenteuerlichsten Spurensuche in der Geschichte dieses Blogs enthält die Bildergalerie.

„Südtirol, Glück auf! Eine Wanderung zum höchsten Dach von Zwickau“ weiterlesen

Eurocity und Elbeschiff: Robert und Clara Schumann auf großer Fahrt

Ein blauer Fernzug namens „Robert Schumann“ rollt täglich durch drei Millionenstädte in Deutschland und Tschechien. Clara Schumann ist Namensgeberin eines Kreuzfahrtschiffes auf der Elbe. ZWICKAUTOPIA hat die fahrenden Schumanns in Prag, Dresden und Hamburg abgepasst.

„Eurocity und Elbeschiff: Robert und Clara Schumann auf großer Fahrt“ weiterlesen